Ingwer (Zingiber officinale) – Inhaltsstoffe, Herkunft und Bedeutung der aromatischen Wurzel
Ingwer – eine traditionsreiche Kulturpflanze
Ingwer (Zingiber officinale) gehört zu den ältesten bekannten Kulturpflanzen Südostasiens. Seit mehreren Jahrtausenden wird das unterirdische Rhizom sowohl als Gewürz als auch in traditionellen Anwendungen geschätzt. Heute ist Ingwer weltweit verbreitet und fester Bestandteil zahlreicher Ernährungsgewohnheiten.
Verwendet wird das verzweigte Speicherorgan der Pflanze – häufig als „Ingwerwurzel“ bezeichnet. Es zeichnet sich durch seinen charakteristisch würzig-scharfen Geschmack aus.
Botanische Einordnung und Herkunft
Ingwer gehört zur Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae). Die Pflanze kann bis zu 1,5 Meter hoch werden. Das geerntete Rhizom enthält die typischen aromagebenden Bestandteile.
Heute wird Ingwer vor allem in Indien, China, Indonesien, Nigeria und Thailand angebaut. Auch der ökologische Anbau gewinnt zunehmend an Bedeutung. In Deutschland ist frischer Ingwer ganzjährig erhältlich. Für weiterverarbeitete Formen spielen zudem Auswahl des Rohmaterials und kontrollierte Lieferketten eine wichtige Rolle.
Welche Inhaltsstoffe enthält Ingwer?
Die besondere Geschmacksnote des Ingwers geht auf verschiedene natürliche Pflanzenbestandteile zurück. Dazu zählen insbesondere:
- Gingerole
- Shogaole
- ätherische Öle wie Zingiberol und Zingiberen
- weitere phenolische Verbindungen
Ein Teil dieser Substanzen gehört zu den sogenannten Sekundären Pflanzenstoffe. Diese kommen natürlicherweise in vielen Pflanzen vor und tragen zu Aroma, Farbe und sensorischen Eigenschaften bei.
Je nach Herkunft, Erntezeitpunkt, Lagerung und Verarbeitung kann die Zusammensetzung variieren. Aus diesem Grund wird bei hochwertigen verarbeiteten Formen häufig der Gehalt bestimmter Leitsubstanzen analytisch erfasst und dokumentiert.
Ingwer in der wissenschaftlichen Betrachtung
In den vergangenen Jahren hat Ingwer auch wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten. Untersucht werden unter anderem:
- seine antioxidativen Eigenschaften
- sein Einfluss auf Stoffwechselprozesse
- mögliche Zusammenhänge mit dem Verdauungssystem
- Wechselwirkungen mit dem Mikrobiom
Die Forschung hierzu ist dynamisch und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Dabei zeigt sich, dass insbesondere die enthaltenen Gingerole und Shogaole im Mittelpunkt vieler Untersuchungen stehen. In wissenschaftlichen Studien kommen dabei überwiegend standardisierte Extrakte mit definiertem Gehalt an charakteristischen Inhaltsstoffen zum Einsatz, um vergleichbare Ergebnisse zu ermöglichen.
Verarbeitung und Zubereitungsformen
Ingwer ist in unterschiedlichen Formen erhältlich:
Frisches Rhizom
Verwendung in Speisen oder als Aufguss.
Getrocknetes Pulver
Als Gewürz verbreitet, mit natürlicherweise schwankendem Gehalt an Inhaltsstoffen.
Extrakte
Hier wird der Gehalt bestimmter Pflanzenbestandteile analytisch bestimmt und kontrolliert. Die Zusammensetzung kann je nach Herstellungsverfahren variieren. Durch eine solche Standardisierung lassen sich Rohstoffqualität und Inhaltsstoffprofil transparent darstellen.
Qualität und Rohstoffkontrolle
Als global gehandeltes Agrarprodukt unterliegt Ingwer natürlichen Schwankungen. Aspekte wie:
- Anbaugebiet
- Bodenbeschaffenheit
- Erntezeitpunkt
- Lagerbedingungen
- analytische Rückstandskontrollen
spielen eine wichtige Rolle für die Qualität.
Bei verarbeiteten Produkten ist Transparenz hinsichtlich Herkunft und Inhaltsstoffgehalt ein zentrales Qualitätsmerkmal. Unabhängige Laboranalysen und dokumentierte Prüfverfahren tragen zusätzlich zur Nachvollziehbarkeit der Rohstoffqualität bei.
Fazit
Ingwer ist eine traditionsreiche Pflanze mit charakteristischem Aroma und einer Vielzahl natürlicher Pflanzenbestandteile. Besonders die enthaltenen Sekundären Pflanzenstoffe stehen im Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen.
Unabhängig von einzelnen Forschungsansätzen bleibt Ingwer vor allem eines: eine vielseitige Gewürzpflanze mit langer kultureller Geschichte und besonderer geschmacklicher Bedeutung. Neben Herkunft und Verarbeitung gewinnt dabei zunehmend auch die Frage nach geprüfter Qualität und definierter Standardisierung an Bedeutung.
Dr. med. Dipl.-Ing. Georg Wolz
Facharzt für Allgemeinmedizin und Ernährungsmedizin und Dipl.-Ing. für Biotechnologie
Dr. med. Dipl. Ing. Georg Wolz studierte an den Technischen Universitäten Berlin und München Biotechnologie und Ernährungstechnologie. Anschließend begann er ein Medizinstudium an der Johan-Gutenberg-Universität Mainz, das er mit einer Promotion abschloss. Danach folgte die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin sowie zahlreiche Weiterbildungen – u.a. zum Ernährungsmediziner der Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM). Nach Tätigkeiten in verschiedenen Krankenhäusern arbeitete Wolz als niedergelassener Arzt mit eigener Praxis im Raum Bingen.
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