Der Darm ist mit einer Fläche von 300 m² und einer Länge von 7 – 9 m das größte Organ unseres Körpers und übernimmt zahlreiche Funktionen, die unser Befinden stark beeinflussen. So dient er nicht nur als Verdauungsmotor, sondern auch als Hüter eines riesigen Nervensystems, was in Verbindung zu unserer Psyche steht.

Wissenschaftler bezeichnen u.a. unseren Darm als „zweites Gehirn“ oder „Bauchgehirn“, das wie die Schaltzentrale in unserem Kopf arbeitet und wichtige Signale sendet. Interessant ist der Fakt, dass der Bauch dem Gehirn mehr zu sagen hat, als umgedreht: Rund 90 % aller Informationen werden vom Darm in den Kopf gesendet, der zum Beispiel über Durchfall oder Erbrechen informiert.

In unserem Bauch befinden sich etwa 100 bis 200 Millionen Nervenzellen, die die komplette Bewegung des schlauchförmigen Darms, vom Schlund bis zum After, steuern. Grundsätzlich besteht ein enger Kontakt zum Gehirn, wodurch der Zustand unserer Darmflora immer in enger Verbindung zu unserem ganzheitlichen Wohlbefinden, ob physisch oder psychisch, steht. Auf den Punkt gebracht lässt sich formulieren, dass unser Darm eigenständig und unabhängig von unserem Gehirn für die Verdauung und weitere Vorgänge verantwortlich ist, um dem Kopf eine Menge Arbeit abzunehmen.


Sind Darmbakterien schädlich?

Generell lässt sich zwischen zwei Arten von Bakterien in unserem Verdauungstrakt unterscheiden: Die „guten“ Bakterien (Probiotika) stehen den „bösen“ Bakterien (Kolibakterien) gegenüber. Probiotika setzen sich neben vielen weiteren Bakterienstämmen hauptsächlich aus Laktobakterien und Bifidobakterien zusammen.

Die Weltgesundheitsorganisationen WHO und FAO definierten Probiotika im Jahre 2001 als lebende Mikroorganismen, die dem Wirt zu Gute kommen, wenn sie in ausreichender Menge aufgenommen werden. Bei einer ausgewogenen, naturbelassenen Ernährung siedeln sich diese im Darm und an dessen Darmwand an und bilden in ihrer Vielzahl eine Schutzmauer.

Unsere Darmbakterien bilden dabei eine Art Mannschaft. Das Team ergänzt sich gegenseitig, um eine normale Funktion des Darms und der Darmschleimhaut zu erhalten. Wenn allerdings zu wenig der „guten Spieler“ vorhanden sind, nimmt die Anzahl der „Gegner“ überhand. Einige dieser Gegner gehören in geringer Menge zur Darmflora dazu und werden von den „guten Spielern“ problemlos in Schach gehalten. Jedoch finden manchmal auch körperfremde, von außen kommende Bakterien, Viren und Pilze Schlupflöcher ins Innere unseres Darms. Diese versuchen dann, einen Platz auf der Darmschleimhaut einzunehmen, um die guten Bakterien nach und nach zu verdrängen. Um das zu vermeiden, sollte ein Gleichgewicht aus möglichst vielen „guten Spielern“ und nur wenigen „Gegner“ vorherrschen.


Darmsanierung und Immunsystem – Bedeutung der Darmflora

Ein gesunder Bauch ist die Grundlage unseres ganzheitlichen Wohlergehens. Die Darmflora sitzt dabei als Schutzschicht auf der Darmschleimhaut und trägt zu ihrer normalen Erhaltung bei. Ist diese Schleimhaut sehr durchlässig, können Fremdkörper in den Darm gelangen und einen weniger förderlichen Einfluss auf den gesamten Körper, über den Blutkreislauf hinweg, erzeugen.

Eine weitere wichtige Aufgabe erfüllt die Darmflora in ihrer Unterstützung des angeborenen sowie erworbenen Immunsystems. Ein Teil unseres gesamten Immunsystems befindet sich dabei im Darm, sodass beide im regen Austausch zueinander stehen und ständig miteinander kommunizieren können.

Die Darmschleimhaut profitiert zusätzlich von den Vitaminen, die durch eine gesunde Darmflora / Darmschleimhaut gebildet werden. Generell ist die Darmflora an der Verdauung beteiligt und sorgt für eine optimale Nährwertverwertung im Körper. Eine normale Darmflora einer Mutter kann die Entstehung von Allergien und Infektionen bei Frühgeborenen vorbeugen und deren Immunsystem merklich beeinflussen.


Wer sind die Feinde der Darmflora?

Die Darmflora wird heutzutage durch viele Faktoren geschädigt. Schnelllebigkeit, hoher Leistungsdruck und die damit einhergehende ungesunde Ernährung haben einen starken Einfluss auf unsere Darmgesundheit, die bei andauerndem Zustand Schaden nimmt. Doch nicht nur Stress und Zeitdruck, sondern auch Alkohol, Drogen, ein träger Lebensstil und vor allem auch aggressive Medikamente wirken kontraproduktiv auf Geist und Bauch.

Es gilt als bewiesen, dass die Einnahme von Antibiotika dem Darmmilieu schaden kann. Dessen Regeneration und Aufbau nimmt viel Zeit und Geduld in Anspruch und kann sich über mehrere Monate hinweg ziehen. Als Folge einer zerstörten Darmflora muss der Körper auf sein Abwehrsystem im Darm vorerst verzichten, worunter das Immunsystem, die Verdauung und Nährstoffverteilung leiden können. Neben Antibiotika können aber auch Cortison, Säureblocker („Magenschutz“) und Entzündungshemmer Auslöser für ein Ungleichgewicht der im Darm vorhandenen „guten“ und „bösen“ Bakterien sein.


Darmgesundheit

Offiziell definieren lässt sich der Begriff Darmgesundheit (noch) nicht. Ein Komitee aus Experten hat sich jedoch auf fünf wesentliche Kriterien festgelegt, die ein Individuum mit gesundem Verdauungssystem charakterisieren:

  • Fehlen von intestinalen (den Darm betreffende) Krankheiten
  • Wirksame Aufspaltung und Resorption der Nahrung
  • Vorhandensein einer normalen und stabilen Darmflora
  • Wirksamer Immunstatus
  • Allgemeiner Zustand des Wohlbefindens

Der Begriff Darmgesundheit wird immer populärer und gewinnt mittlerweile auch in der Wissenschaft an Bedeutung. Ein gesundes Darmklima, der Aufbau einer Darmflora und die Darmsanierung gehören im 21. Jahrhundert zum Gesundheitsschwerpunkt und rücken im Kontext der Naturheilkunde immer mehr in den Vordergrund. Unser alltägliches Leben nimmt an Reizüberflutung und Schnelllebigkeit zu, wir müssen in kürzester Zeit immer mehr leisten und wollen am besten mehrere Dinge auf einmal erledigen, wohingegen sich unser Fokus auch immer stärker auf das Innere und unsere ganzheitliche Gesundheit richtet.


Wenn die Darmgesundheit leidet

Kurzfristige Belastungen und Störungen der Darmflora nehmen im Normalfall keinen negativen Einfluss und können recht zügig von selbst wieder ausbalanciert werden. Bei langfristigen Schäden und andauernd belastenden Umständen könnte die Darmschleimhaut jedoch nachhaltig geschädigt werden. Auslöser dafür können hoher Alkohol- und Nikotinkonsum, Drogen oder auch aggressive Medikamente (zum Beispiel Antibiotika und Strahlen- oder Chemotherapie) sein, die im Zuge einer Infektion oder Autoimmunerkrankung über eine bestimmte Zeitperiode hinweg eingenommen werden.

Dysbiose oder Dysbakterie – bezeichnet wird damit das Ungleichgewicht in unserem Darm, also der Zustand einer geschädigten Darmschleimhaut, der die Verbreitung von Krankheitserregern und das Verdrängen gesundheitsförderlicher Bakterien beschreibt.

Sehr aussagekräftig ist der Fakt, dass die Darmflora übergewichtiger Menschen anders zusammengesetzt sei, als die von Normalgewichtigen. Ähnliche Beobachtungen ließen sich bei weiteren gesundheitlich beeinträchtigten Personengruppen anstellen. Das verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Darmschleimhaut und ganzheitlichem Befinden explizit.


Wodurch macht sich eine Dysbakterie bemerkbar?

Eine gesunde Darmflora beeinflusst unser Befinden immens. Im Gegenzug dazu spüren wir aber auch die leidigen Auswirkungen eines geschädigten Darmmilieus. In Folge von Ignoranz der Symptome kann dies zu leichtem Unwohlsein in der Bauchregion bis hin zu längerfristigen und ganzheitlichen Beschwerden führen und den Alltag beeinträchtigen.


Wodurch lässt sich eine gesunde Darmflora aufbauen?

Eine gesunde Ernährung und Probiotika / Präbiotika bzw. Prebiotika sind die beiden Grundvoraussetzungen, die den Aufbau der Darmflora begünstigen. Wissenschaftlichen Recherchen zufolge soll die mediterrane Kost die förderlichste aller Küchen für ein gesundes Darmmilieu sein, was sich durch die vielseitige und überaus gelungene Mischung der Zutaten begründen lässt. So finden Ballaststoffe in Form von Obst, Gemüse und Salat aber auch Vitamine, gesunde Fette und Spurenelemente aus Fisch und Olivenöl Platz auf dem Teller.  

Darüber hinaus kann durch die bewusste Zufuhr von Präbiotika die Bildung neuer und „guter“ Darmbakterien unterstützt werden. Präbiotika sind dabei nicht mit dem Begriff Probiotika gleichzusetzen. Präbiotika sind schwerverdauliche Nahrungsbestandteile, die den Darmbakterien als übrig gebliebener Nahrungsbrocken zum „Fressen“ erhalten bleiben und nicht nur deren „Hunger stillen“, sondern auch das Wachstum fördern. Als uns bekanntes Synonym zu Präbiotika gibt es den Begriff Ballaststoffe, die Bestandteile von Hülsenfrüchten, Lauchgewächsen, Haferflocken und vielen weiteren Lebensmitteln sind.


Hilfsmittel zum Aufbau der Darmflora

Um eine normale Darmflora aufzubauen, benötigt es keine großen Umstände, die den gewohnten Alltag umkrempeln. So trägt eine ausgewogene Ernährungsweise, welche die bedarfsgerechte Zufuhr von Biotin, Niacin und Vitamin A beinhaltet, zur Erhaltung einer normalen Darm- und Magenschleimhaut bei. Die folgende Auflistung zeigt wesentliche Hilfsmittel, die das Gleichgewicht im Darm unterstützen können:

  • Ballaststoffreiche Ernährung (beinhaltet natürliche Präbiotika)
  • Fermentierte Nahrungsmittel wie Sauerkraut oder Kimchi (beinhaltet Probiotika)
  • Mediterrane Kost
     

Fakt ist, dass die Grundlage einer Darmsanierung eine ausgewogene Ernährung bildet. Pflanzenstoffe, Ballaststoffe, Vitamine, Fette und Spurenelemente sind dabei wichtige Bestandteile, von denen unsere Mannschaft an "guten Spielern" nachhaltig zehrt. Lebensmittel, die eine gesunde Darmfunktion fördern, können sein:

  • Schwarzwurzel
  • Vollkornprodukte
  • Akazienfaser
  • Beeren
  • Chicorée
  • Joghurt

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