Viele Hersteller von Lebensmitteln fühlen sich bemüßigt, den Vermerk „hefefrei“ auf ihren Verpackungen anzubringen. Es gibt sogar Ernährungstherapeuten, die vom Hefe-Verzehr abraten. Die Frage ist: Warum eigentlich?

Hefe ist nämlich eines der ältesten Heilmittel der Welt. Bereits im ägyptischen Papyrus Ebers, dem ersten medizinischen Dokument, wurde Hefe als Heilmittel empfohlen. Paracelsus pries Hefe als „göttliche Medizin“ und Hildegard von Bingen verordnete hefehaltige Getränke als Kur bei verschiedensten Erkrankungen.

Die folgenden Fragen und Antworten sollen alle ‚Hefeskeptiker‘ beruhigen und ihnen Vertrauen in Hefe vermitteln - einem der ältesten Heilmittel der Welt!

Was ist Hefe?

Hefen sind die kleinsten Pilze der Welt. Sie bestehen aus nur einer Zelle und sind daher zugleich auch einzellige Mikroorganismen. Hefen sind sehr vielseitige Organismen. Man kann sie nicht nur bei der Herstellung von Lebensmitteln und als Heilmittel einsetzen – sie dienen der Wissenschaft auch als Modellobjekt für das menschliche Leben. Der Faszinierende Grund: Die Hefezelle ist der menschlichen Zelle erstaunlich ähnlich. In der Hefezelle laufen im Prinzip die gleichen Reaktionen ab wie im menschlichen Organismus. Auch die Hefe-Eiweißstoffe ähneln  den menschlichen Proteinen sehr. Zudem haben die Gene der Hefe mit dem menschlichen Erbgut in weiten Bereichen viele Gemeinsamkeiten. Die Medizin nutzt die Hefezellen daher als ideale Modellorganismen für die Gen- und Krebsforschung sowie für das Verständnis von Alterungsvorgängen.

Welche Arten von Hefen gibt es?

Hefepilze haben den Gattungsbegriff „Saccharomyces“. Er setzt sich aus den griechischen Wörtern sakcharon = Zucker und mykes = Pilz zusammen. Die Gattung Saccharomyces umfasst die Mehrzahl der vom Menschen genutzten Hefen. Die bekanntesten sind die Backhefe und die Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae). Daneben gibt es die unechten Hefen, die für Tierfuttermittel und technische Produktionen verwendet werden wie z.B. die Glycerinhefe oder die Futterhefe. Für Nahrungsergänzungsmittel und medizinischen Hefezubereitungen werden speziell gezüchtete Hefe-Stämme verwendet. Genauso wie es neben Champignons auch Fliegenpilze gibt, existieren einige wenige Hefepilzarten, welche die Fähigkeit haben, Krankheiten zu verursachen. Dazu gehören  z.B. Candida albicans und Cryptococcus neoformans.

Ist vom Menschen genutzte Hefe schädlich? 

Nein. Es gibt keine Hinweise, dass Hefe irgendwelche schädlichen Auswirkungen auf unseren Organismus hat. Im Gegenteil. Reine Bäckerhefe sollte allerdings nicht pur verzehrt werden, dies könnte zu Blähungen führen.

Welche Nahrungsmittel enthalten Hefe?

Hefe ist in sehr vielen Nahrungsmitteln enthalten. Ein Verzicht auf Hefe gestaltet sich daher als schwierig, ist aber auch gar nicht nötig (außer bei einer sehr selten vorkommenden Hefeallergie). So ist Hefe in den meisten Backwaren (Brot, Knäckebrot, Kuchen, Hefegebäck, Brezel, Backmischungen, Kekse, Zwieback), in Getränken wie Wein, Bier, Malzbier und Fruchtsäften und  in Milchprodukten wie Buttermilch, Kefir und Käse enthalten. Hefe findet sich zudem in vielen weiteren Lebensmitteln.

Was bedeutet ‚Hefeextrakt‘?

Hefeextrakt ist die Bezeichnung für konzentrierte Autolysate aus Hefe. Die Hefekulturen werden auf 50 Grad erwärmt, dabei bleiben die Enzyme in der Zelle aktiv und können dann die Zellwände auflösen. Alternativ kann auch Salzsäure hinzu gegeben werden. Was übrig bleibt, ist das Abbauprodukt, der Hefeextrakt, ein gelbbräunliches, wasserlösliches Pulver.

Was sind die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Hefe?

Hefe enthält eine Fülle von Nährstoffen. Deshalb werden Hefepräparate schon seit langem erfolgreich als Nahrungsergänzung eingesetzt zur
- zur Versorgung mit Vitaminen 
- zur Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen
- als Stärkungsmittel,
- und als Probiotikum für die Darmflora.
Gerade der letzte Punkt – der sehr positiven Effekt der Hefe auf die Darmgesundheit – ist bemerkenswert: Hefe liefert wichtige Verdauungsenzyme wie Lactase, Saccharase und Maltase. Außerdem mildern Hefepilze die Nebenwirkungen von Antibiotika, beugen Durchfällen vor und wirken probiotisch, d.h. sie siedeln sich im Darm an und helfen dort den heimischen Bakterien bei der Verdauung. Zudem erhöhen sie die Abwehrleistung der Darmschleimhaut und stärken dadurch das Immunsystem.

Wann darf ich keine Hefe essen?

Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, auf Hefeprodukte zu verzichten, bzw. Nahrungsmittel die Hefen enthalten, zu meiden – auch wenn dies leider immer mal wieder von einigen vermeintlichen ‚Gesundheitsexperten‘ behauptet wird. Der Zusatz „hefefrei“ auf einigen Nahrungs- bzw. Nahrungsergänzungsmitteln macht daher überhaupt keinen Sinn. Die einzige Ausnahme sind Personen mit einer Hefeallergie. Diese Allergie tritt in Deutschland jedoch extrem selten auf und kann im Rahmen eines Allergietests festgestellt werden. Gichtpatienten sollten beim Verzehr von Hefeprodukten den Puringehalt berücksichtigen.

Darf ich mit einer Pilzinfektion (z.B. Candida albicans) Hefeprodukte essen?

Eindeutig: Ja! Den Hefepilz mit Candida albicans in einen Topf zu werfen wäre das gleiche, als würde man einen Champignon mit einem Fliegenpilz gleichsetzen. Denn während es sich bei Candida albicans um einen krankmachenden (pathogenen) Pilz handelt, ist Hefe im besten Sinne des Wortes ein Heilpilz. Deshalb brauchen Menschen, die unter Pilzkrankheiten leiden, keine Angst vor Hefepräparate zu haben. Die Ursache dieser Befürchtung wurde 1983 durch den amerikanischen Autor Dr. William G. Crook hervorgerufen. Er kolportierte die Ansicht, Hefepilze könnten durch Pilze hervorgerufene Krankheiten noch verschlimmern und das Wachstum von Candida albicans im Darm fördern. Er riet daher vom Verzehr hefehaltiger Nahrungsmittel ab. Dieses Urteil hat sich als falsch herausgestellt. Daher hat Crook diese Aussage auch bereits Ende der 80er Jahre zurückgenommen. 1997 schrieb er folgerichtig: „Der Verzehr von Hefeprodukten führt nicht zu einer Vermehrung der Candida Pilze.” Denn das Gegenteil ist der Fall: Hefepräparate können Pilzkrankheiten sogar positiv beeinflussen. So haben mehrere placebo-kontrollierte doppelblinde Studien gezeigt, dass die medizinische Hefe Saccharomyces cerevisiae Hansen CBS 5926 nützlich ist. Der Versuch, pathogene Hefepilzarten durch strenge Diäten (‚Pilzdiät‘) auszuhungern, ist wenig erfolgreich. Zudem treten hierbei oft Schäden durch Mangel an bestimmten Vitalstoffen auf. Viel sinnvoller ist es bei Pilzinfektionen mit hochwertigen Präparaten die natürliche Darmflora wieder aufzubauen.

Welche Arten von Hefe-Präparaten gibt es?

Hefe wird in vielfältigen Formen als Nahrungsergänzungsmittel angeboten, in Tabletten, Kapsel oder Pulverform oder als flüssiger Hefetrunk. Bierhefe, die durch Trocknung (Erhitzung) haltbar gemacht und als Pulver oder Tabletten sowie in Flockenform angeboten wird, ist zwar reich an Eiweiß, Mineralstoffen und B-Vitaminen – ihre hitzeempfindlichen Inhaltsstoffe – vor allem die Enzyme - werden aber in der Regel durch das Trocknungsverfahren zerstört. Alle, welche die volle Vitalstoff- und Enzymfülle der Hefe nutzen möchten, sollten spezielle Enzym-Hefe-Präparate verwenden.

Was sind Enzym-Hefezellen?

Enzym-Hefezellen sind aufgerüstete Hefezellen. Im Gegensatz zu Hefetabletten oder Hefepulver enthalten sie nicht nur alle biologisch aktiven Inhaltsstoffe in unveränderter Form, sie weisen auch weiterhin Enzymaktivität auf. Möglich macht dies die Sauerstoff-Enzym-Fermentation, bei der die Hefe weder getrocknet noch erhitzt wird. Am Ende des Herstellungsprozesses enthalten die Enzym-Hefezellen im Prinzip genau die gleichen biologisch aktiven Inhaltsstoffe, wie sie auch in der menschlichen Körperzelle vorhanden sind, da der Genbestand der Hefen mit denen des Menschen zu ca. 60–70 Prozent identisch ist. Die Sauerstoff-Enzym-Fermentation sorgt also dafür, dass die Enzym-Hefezellen alle Stoffe in einer Form beinhalten, wie sie sonst nur in der Natur vorkommen.


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